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Erschienen am: 08.11.2022

100 Jahre Greenwich-Längen in der BVV

1923 wurde der Nullmeridian von Ferro durch den von Greenwich ersetzt

1884 wurde der durch Greenwich verlaufende Meridian als Nullmeridian vereinbart. Ab 1923 wurde in der Bayerischen Vermessungsverwaltung der Nullmeridian von Ferro durch den von Greenwich ersetzt.

Für die Bestimmung der geografischen Breite stehen uns natürliche Bezugspunkte zur Verfügung: der Äquator, die Pole, die Wende- oder Polarkreise. Für die Bestimmung des Längengrades Null gibt es jedoch keinen natürlichen Fixpunkt. Kein Wunder, dass deswegen über die Jahrhunderte hinweg immer wieder unterschiedliche Festlegungen getroffen wurden, die mehr oder weniger politisch entschieden wurden.

Seit der Antike galt der Ferro-Meridian als wichtiger Referenzpunkt. Dafür wurde von damaligen Geografen die Insel „Ferro“ (spanisch: El Hierro) auf den Kanarischen Inseln bestimmt, der westlichste Punkt der damals bekannten Welt. In der Renaissance wurde diese antike Definition wiederentdeckt. Seitdem galt der Ferro-Meridian in vielen Ländern als der Nullpunkt der Längengrade. Da es aber auf El Hierro keine Sternwarte zur exakten Positionsbestimmung gab, galt in der Praxis der Meridian des Observatoriums von Paris als Bezugspunkt, von dem 20° nach Westen gerechnet wurde. Daneben gab es viele weitere nationale Festlegungen.

Im 19. Jahrhundert war jedoch England die führende Seemacht. Englische Seekarten waren der Standard. So wurde der Meridian durch das Königliche Observatorium von Greenwich bei London allmählich zur weltweit akzeptierten Referenz für die geographische Längenbestimmung. Auf der Internationalen Meridian-Konferenz in Washington D.C. wurde 1884 deshalb der durch Greenwich verlaufende Meridian als Nullmeridian vereinbart.

Allerdings wissen wir heute aufgrund der modernen Messtechnik, dass das Königliche Observatorium von Greenwich gar nicht mehr auf dem Referenzmeridian liegt. Es befindet sich etwa 100 Meter westlich davon. Längengrade sind wegen der Gezeitenkräfte, der Polbewegung und der Kontinentaldrift nicht mehr ortsfest, sondern mehr denn je eine wissenschaftliche Hypothese.

1923 wurde auch in der Bayerischen Vermessungsverwaltung der Nullmeridian von Ferro im Rahmen der Vorbereitungen zum Übergang der Landesvermessung auf Gauß-Krüger-Koordinaten durch den von Greenwich ersetzt. Dazu wurde von den bisherigen Längenwerten der gerundete Wert von 17° 40′ abgezogen, um den bisherigen Blattschnitt der topografischen Karten beibehalten zu können.