Erschienen am: 1790146946
Schon gewusst?
Seit es Landkarten gibt, stehen Kartographen vor der Herausforderung, die Kugelgestalt der Erde in ein flaches, zweidimensionales Abbild zu übertragen. Dazu gibt es verschiedene Methoden. Im September 2026 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Beschluss gefasst, bei der Darstellung der Weltkarten anstelle der bisher verbreiteten Mercator-Projektion die Equal-Earth-Projektion zu empfehlen.
Die Mercator-Projektion geht auf den im 16. Jahrhundert lebenden flämischen Kartographen Gerhard Mercator zurück. Sein Ziel war es, eine Karte zu schaffen, die eine leichte Navigation auf See ermöglichte. Diese Karte ist „winkeltreu“, d.h. die auf der Karte abgelesenen Winkel können unmittelbar für die Kursbestimmung eines Schiffes genutzt werden. Die Mercator-Projektion wird bis heute auch von der Bayerischen Vermessungsverwaltung bei kleinräumigen Karten verwendet. Auf Weltkarten führt diese Methode jedoch zu einer starken Verzerrung der Distanzen und Flächen, je weiter man sich vom Äquator entfernt. Auf solchen Karten wird z. B. Deutschland 2,5-mal größer dargestellt, als es tatsächlich ist, Grönland z. B. 11,8-mal. Die Insel im Nordmeer erscheint damit fast so groß wie Afrika, das tatsächlich aber rund 14-mal so groß wie Grönland ist. Die verzerrte Darstellung hat vor allem in Afrika Kritik hervorgerufen, da sie die nördlichen Staaten optisch stark hervorhebt.
Aus Afrika kam deshalb auch der Vorschlag, künftig die 2018 von den Kartographen Bojan Šavrič, Bernhard Jenny und Tom Patterson entwickelte Equal-Earth-Projektion zu verwenden. Sie stellt einen praktikablen Kompromiss zwischen den Extremen der Mercator-Projektion und der flächentreuen, aber die Gestalt der Länder verzerrenden Gall-Peters-Projektion dar. In der Abstimmung der UN-Generalversammlung enthielten sich mehrere Staaten der Stimme, weil sie in der Sache zwar zustimmten, aber die auf den beigefügten Karten eingezeichneten Staatsgrenzen in Einzelfällen umstritten sind. Der UN-Beschluss ist nicht verpflichtend, es wird aber empfohlen, für Weltkarten die Equal-Earth-Projektion zu verwenden.