Einführung von ETRS89/UTM

Neues Bezugs- und Abbildungssystem in Bayern

Zum Jahreswechsel 2018/2019 hat die Bayerische Vermessungsverwaltung das Europäische Terrestrische Referenzsystem 1989 (ETRS89) mit UTM (Universale-Transversale Mercatorprojektion) als neues amtliches Bezugs- und Abbildungssystem eingeführt. Dies ist Voraussetzung für eine grenzüberschreitende Nutzung von Geodaten in Europa.

Die Bayerische Vermessungsverwaltung hat ihr Produktangebot vollständig auf das neue UTM-Koordinatensystem umgestellt. Die Nutzer erhalten die Produkte im UTM-System. Die bisherigen Produkte werden für einen Übergangszeitraum von einem Jahr bis Ende 2019 weiterhin parallel im Gauß-Krüger-System (GK) angeboten.

Vorteile des Raumbezugswechsels

  • Einheitliche Basis für Geodaten und Karten in Europa
  • Durchführung grenzüberschreitender Anwendungen,
  • Vereinfachte Zusammenführung von Geodaten aus verschiedenen Quellen
  • Effiziente Nutzung und europaweite Interoperabilität von Geodaten,
  • Einheitliche Grundlage für eine europaweite Geodateninfrastruktur (INSPIRE)
  • Positionierung und Navigation mit GNSS-Messungen (GPS, GLONASS, GALILEO) im amtlichen System
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Testdaten und Produkte der BVV

Bayern wird in den Meridianzonen UTM 32 und UTM 33 abgebildet. Die Produkte werden standardmäßig in der Zone UTM 32 (EPSG 25832) abgegeben. Eine Abgabe in Zone UTM 33 (EPSG 25833) ist möglich. Testdaten stehen zur Verfügung.

Bis Ende 2019 werden neben den UTM-Produkten parallel die bisherigen Produkte im GK-System angeboten.

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Transformation von
Geofachdaten

Damit Sie Ihre Geofachdaten weiterhin mit den amtlichen Geobasisdaten kombinieren können, müssen diese ebenfalls umgestellt werden. Dafür stehen Erläuterungen und entsprechende Werkzeuge kostenfrei bereit, insbesondere NTv2-Gitterdateien und ein Online-Transformationsdienst. Ergänzend werden Hinweise zum Umgang mit bisherigen SAPOS-gestützten Messungen gegeben.

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Transformation der
Geobasisdaten

Für die interne Umstellung der Produkte und Anwendungen hat die Bayerische Vermessungsverwaltung je nach Genauigkeitsanforderungen unterschiedliche Transformationsverfahren eingesetzt. Für den Bereich des Liegenschaftskatasters ist dies ein eigens entwickeltes Ausgleichungsverfahren, das die Nachbarschaftsbeziehungen bestmöglich erhält und gleichzeitig historisch gewachsene Netzspannungen reduziert. Für den Bereich der Geotopographie bestehen geringere Genauigkeitsanforderungen. Hier kommt die „Bundeseinheitliche Transformation für ATKIS (BeTA2007)“ zum Einsatz.

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Theoretische Grundlagen

Sowohl UTM als auch GK bewirken eine winkeltreue Abbildung eines Ellipsoids in eine Kartenebene als sog. Meridianstreifensysteme. Sie unterscheiden sich jedoch in den Streifenbreiten und den auftretenden Verzerrungen.


FAQ

Häufig gestellte Fragen

Wie lange stehen die bisherigen Produkte in GK noch zur Verfügung? Die Abgabe von Produkten in GK-Koordinaten läuft für einen Übergangszeitraum von einem Jahr parallel weiter bis Ende 2019. Dann werden diese ebenso wie die Altformate (DFK, SQD, ...) abgeschaltet.
Warum gibt es ein neues Bezugssystem? Einführung eines einheitlichen Raumbezugssystems für eine grenzüberschreitende Nutzung von Geodaten in Deutschland und Europa.
Welche UTM Zonen überdecken Bayern? UTM Zone 32
UTM Zone 33
Wie lauten die EPSG Codes für die Zonen? EPSG Code UTM Zone 32 (ohne Zonenkennziffer): 25832
EPSG Code UTM Zone 33 (ohne Zonenkennziffer): 25833
EPSG Code UTM Zone 32 (mit Zonenkennziffer): 4647
EPSG Code UTM Zone 33 (mit Zonenkennziffer): 5650
In welchen UTM-Zonen gibt die BVV ihre Produkte ab? Grundsätzlich erfolgen Datenabgaben in der Zone 32 (EPSG 25832), auf Wunsch kann auch in Zone 33 (EPSG 25833) abgegeben werden.
Wie werden UTM-Koordinaten angegeben? Die Koordinatenangabe wird bei digitalen Raster- und Vektordaten standardmäßig ohne Zonenangabe im Ostwert erfolgen (EPSG 25832 und 25833). Die Zonenangabe wird entsprechend den Spezifikationen der AdV im Datei-Header, in Projektionsdateien oder sonstigen Metadaten angegeben.
Nur bei Präsentationsausgaben und einfach strukturierten digitalen Produkten (z.B. Koordinatenlisten) wird zur Vereinfachung die Zone im Rechtswert mit angegeben.
Bei Geodatendiensten sind Koordinatenangaben mit Zonenkennziffer nicht üblich.
Was ist bei Streckenmessungen zu berücksichtigen? Bei UTM treten in Bayern größere Verzerrungen als bei GK-Koordinaten auf. Gemessene Strecken weichen stärker von den aus Koordinaten berechneten Strecken ab, entsprechende Reduktionen sind anzubringen. Soweit Streckenmaße in amtlichen Lageplänen ausgewiesen sind, handelt es sich um Horizontalstrecken vor Ort.
Siehe Hinweise zum Umgang mit Verzerrungen bei UTM-Koordinaten (pdf, 1,2MB)
Sind Flächenangaben von Verzerrungen betroffen? In UTM nimmt die Flächenkorrektur relevante Werte an, sie konnte jedoch schon in GK nicht vernachlässigt werden. Flächen sollten wie bisher nicht aus ebenen Koordinaten (UTM oder GK) berechnet werden.
Im Liegenschaftskataster werden Flächen auf dem Bezugsellipsoid ausgewiesen. Der Übergang vom Bessel- auf das GRS80-Ellipsoid bewirkt dabei nur vernachlässigbare Änderungen. Es sind keine Änderungen der Flurstücksflächen aufgrund des Wechsels der Projektion zu erwarten.
Kann das GK- und UTM-System parallel verwendet werden? Grundsätzlich ist dies möglich, da in einem Übergangszeitraum ein Großteil der Geobasisdaten sowohl in UTM als auch in GK angeboten werden. Es wird jedoch empfohlen, innerhalb eines Projekts nur ein Koordinatensystem zu verwenden.
Was ist bei der Nutzung von Diensten (WMS, WFS) zu beachten? Alle WMS unterstützen bereits beide Projektionen. Es wird lediglich im Hintergrund die Datenhaltung von GK4 auf UTM umgestellt. Als Nutzer der WMS sollten Sie davon kaum etwas bemerken. Lediglich bei den WFS, die Daten mit Katastergenauigkeit bereitstellen, ist die Standard-Projektion der zugrundeliegenden Daten zu berücksichtigen. Dies betrifft insbesondere den "WFS auf Flurstücke und Gebäude". Dieser wird auch noch nach der UTM-Umstellung als Standard-Koordinatensystem GK4 verwenden. Erst mit der Einführung des ALKIS-WFS steht ein Dienst in UTM zur Verfügung.
Was ändert sich für mich als Kunde? Geobasisdaten werden in UTM abgegeben. Um Geofachdaten weiterhin mit den Geobasisdaten kombinieren zu können, müssen Sie diese ebenfalls transformieren.
Wie transformiere ich Geofachdaten nach ETRS89/UTM? Hierzu stellen wir Ihnen Werkzeuge wie NTv2-Dateien und einen Online-Transformationsdienst kostenfrei zur Verfügung. Bei der Transformation ist zu beachten, mit welcher Genauigkeit die Geofachdaten vorliegen,
siehe Transformation von Geofachdaten
Welche Genauigkeiten sind mit den angebotenen NTv2-Dateien des Landes zu erzielen? BeTA2007: einige dm
BY-KanU: wenige cm (Katastergenauigkeit) für Transformationen mit Bezug zum Liegenschaftskataster
BY-SAPOS: wenige cm für Transformationen ohne Bezug zum Liegenschaftskataster

Hinweis zu BY-KanU: Es kann durch amtliche Vermessungen zu Veränderungen im Punktfeld des Liegenschaftskatasters kommen. Soweit dies nach der UTM-Einführung erfolgt, können die bereitgestellten Transformationsdateien lokal keinen exakten Bezug zum Kataster mehr herstellen. Es wird eine zeitnahe Umstellung Ihrer Fachdaten empfohlen.
Welche Genauigkeit erreicht der angebotene Online-Transformationsdienst? Die Genauigkeit ist identisch mit der NTv2-Datei „BY-KanU“ und liegt bei wenigen cm (Katastergenauigkeit).
Es kann durch amtliche Vermessungen zu Veränderungen im Punktfeld des Liegenschaftskatasters kommen. Soweit dies nach der UTM-Einführung erfolgt, kann der bereitgestellte Transformationsdienst lokal keinen exakten Bezug zum Kataster mehr herstellen. Es wird eine zeitnahe Umstellung Ihrer Fachdaten empfohlen.
In welchem Dateiformat wird die NTv2-Datei „BY-KanU“ abgegeben? Die NTv2 „BY-KanU“ wird im gsb-Format angeboten. Das gsa-Format wird aufgrund deutlich höherer Datenmengen nicht angeboten. Soweit erforderlich, können Sie eine Umrechnung mit frei verfügbaren Tools selbst durchführen.
Können die bereitgestellten NTv2-Gitterdateien auch für die Transformation von Daten außerhalb Bayerns eingesetzt werden? Die hochgenauen NTv2-Dateien BY-KanU und BY-KanU enthalten keine Informationen für Gebiete außerhalb Bayerns und sollte daher nur innerhalb Bayerns angewendet werden. Die bundesweit einheitliche NTv2-Datei BeTA2007 ist deutschlandweit einsetzbar.
Können der CRS-Transformationsdienst, die NTv2-Datei BY-SAPOS oder das SAPOS-Transformationsprogramm auch für Geofachdaten mit Bezug zum Liegenschaftskataster eingesetzt werden? Diese Transformationsangebote verwenden eine NTv2-Datei, die homogen für ganz Bayern das Lagefestpunktfeld der Landesvermessung (TP 1. bis 4. Ordnung) repräsentiert. Historisch gewachsene lokale Spannungen im Katasterfestpunktfeld werden damit nicht abgebildet, hierfür stehen die NTv2-Dateien BY-KanU und der Online-Transformationsdienst zur Verfügung.
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