Landesamt für Digitalisierung,
Breitband und Vermessung 

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Erschienen am: 24.04.2014

Steinbibliothek feiert 150. Geburtstag

Staatsminister Dr. Markus Söder, MdL, würdigt Lithografiesteinarchiv, das an die erste flächendeckende Grundstücksvermessung Bayerns erinnert

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Auf 26.637 Lithografiesteinen ist die erste parzellenscharfe Vermessung der Heimat Bayern festgehalten. „Die einzigartige Steinbibliothek im Herzen Münchens beherbergt seit 150 Jahren die Ergebnisse der ersten flächendeckenden Grundstücksvermessung in Bayern. Damit war der Freistaat in Sachen Vermessung schon damals eines der fortschrittlichsten Länder weltweit“, stellte Finanzminister Dr. Markus Söder zum 150-jährigen Jubiläum des weltweit größten Lithografiesteinlagers im Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung am Donnerstag (24.4.) fest.

Die Lithografiesteine mit den ersten Vermessungsergebnissen wiegen insgesamt rund 1.700 Tonnen. Allein ein steinernes Kartenblatt wiegt rund 50 bis 70 Kilogramm. Alle Steine wiegen heute in etwa soviel wie rund 3,5 Millionen iPads. Aufeinandergelegt würden die Steine einen Turm von drei Kilometer Höhe ergeben. Die Steine „wuchsen“ vor Ort in Bayern, in den Solnhofener Steinbrüchen im Altmühltal. Die damals bahnbrechende Technik wurde möglich durch den aus Königshofen in Franken stammenden Alois Senefelder, dem Erfinder der Lithografie. Bayerns Vermesser waren weltweiter Vorreiter bei der parzellenscharfen Vermessung eines ganzen Landes. Lithografie steht für „auf dem Stein zeichnen“ und wird auch Steindruck oder chemischer Druck genannt. Die hohe Qualität der Steine und der eingravierten Karten ermöglichte es, dass die Steine ab Beginn der bayerischen Vermessung bis in die Mitte des 20. Jahrhundert hinein zur Vervielfältigung und Fortführung von Karten dienten.

Frauenkirche als bayerischer Startpunkt

Söder präsentierte die vier Kartenblätter der bayerischen Uraufnahme vor dem „bayerischen Startpunkt“. Der nördliche Turm der Münchener Frauenkirche wurde als Ausgangspunkt der bayerischen Landesvermessung gewählt. Von ihm aus überzog ein Dreiecksnetz von Fixpunkten, die Trigonometrischen Punkte, ganz Bayern mit der damals dazugehörenden Rheinpfalz. Noch heute bildet der nördliche Turm der Münchener Frauenkirche den Nullpunkt für die Blatteinteilung der gedruckten Flurkarten.

Das Bayerische Vermessungs- und Katasterwerk ist das Ergebnis einer für ganz Bayern in der Zeit von 1808 bis 1864 durchgeführten Katastervermessung, der sogenannten Uraufnahme. Heute stellt das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat die 70.000 Quadratkilometer des Freistaats in vier Dimensionen online in einer zentralen Kartenanwendung unter www.bayernatlas.de bereit. Das Portal enthält rund 1.000 Landkarten mit 500.000 Kilometern an Straßen und Wegen, 5 Millionen Megabyte an Luftbildern, 25.000 Karten aus zwei Jahrhunderten, alle 8 Millionen Gebäude in 3D und rund 100 frei zugängliche Karten von staatlichen Fachbehörden.

Die Lithografiesteine der ersten Vermessung Bayerns im denkmalgeschützten Archiv in München unterteilen sich in 18.019 Katastersteine vom Freistaat Bayern, 2.727 Katastersteine von Sachsen-Meiningen, 2.582 Katastersteine von der Pfalz, 566 Katastersteine von Sachsen-Coburg und 2.743 sonstige Steine, wie beispielsweise Topographische Karten oder Übersichtskarten.

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